Das Bewerbungsanschreiben

Motivation und Kompetenzen stehen im Fokus der Bewerbung

Hilft das Motivationsschreiben bei der Bewerberauswahl
Bild: Daniel Berkmann, stock.adobe.com

Derzeit wird sehr viel über den Sinn und Unsinn eines Bewerbungsanschreibens diskutiert. Wie immer gibt es zwei Lager, die sich den Ball hin und her spielen. Auf der einen Seite diejenigen die das Anschreiben für nicht mehr zeitgemäß halten und es am liebsten abschaffen würden. Und auf der anderen Seite die Befürworter, die für den Erhalt des Bewerbungsanschreiben plädieren da es sich im Bewerbungsprozess bewährt hat.

Sinn und Unsinn von Bewerbungsanschreiben

Dass Internet bietet Bewerbern/innen eine Vielzahl an Möglichkeiten sich über den Bewerbungsprozess und das, was dazu benötigt und erwartet wird, zu informieren. Ob Vorlagen für Anschreiben und Lebenslauf für fast alle Berufe und Tätigkeiten sowie Tipps und Tricks auf Karriereportalen.

Sogar ein Privatsender hatte sich mit dem Thema Bewerbungsunterlagen beschäftigt und Bewerbungsunterlagen für eine Kandidatin und einen Kandidaten von Ghostwriter erstellen lassen. Beide waren zufrieden, obwohl bei dem männlichen Kandidaten die Angaben im Anschreiben stark übertrieben waren. Der Karrierecoach war mit dem Ergebnis ebenso zufrieden und hätte den männlichen Kandidaten zum Interview eingeladen. Obwohl er wusste, dass die Angaben nicht stimmen. Warum? Kreativität überzeugt! Sie auch?

Dann fördern wir doch lieber die Bequemlichkeit

Auch meine Klienten/innen fragen mich in der Beratung, ob sie dieses Anschreiben wirklich noch erstellen müssen und welchen Sinn es denn macht. Und ja, auch hier wird das Argument vorgebracht, dass sich doch alle Bewerbungsanschreiben gleichen und sowie vieles nicht stimmen würde, was da so geschrieben wird.

Es stimmt, die Qualität vieler Anschreiben lässt wirklich zu wünschen übrig. Da werden Vorlagen benutzt und mit "Herr Mustermann" im Adressfeld an den potenziellen Arbeitgeber verschickt. Die Bewerbungsanschreiben gleichen sich wie auch die Lebensläufe. Copy and paste ist auch eine Errungenschaft unserer Zeit.

Weil einige Bewerber es nicht schaffen ihre Vorlagen richtig anzupassen, ihre Motive und Motivation in ein Anschreiben zu formulieren, verteufeln wir gleich das Bewerbungsschreiben? Gestatten Sie mir die Frage. Schaffen wir denn den Mathematikunterricht auch gleich ab, nur weil Teile der Schüler ihn für doof halten oder bei der Rechenaufgabe „vier mal vier“ als Ergebnis nicht sechzehn herausbekommen?

Das Dilemma unserer Zeit

Allein schon aus meiner beruflichen Tätigkeit als persönlicher Coach und Laufbahnberater, beschäftige ich mich mit den Trends am Markt und was uns die Zukunft bringen wird. Die nächsten technologischen Errungenschaften stehen schon in den Startlöchern oder werden bereits eingesetzt.

Als Beispiel möchte ich hier exemplarisch Precire nennen. All die Diskussionen zeigen unser Dilemma auf: Wir leben in einer analogen und digitalen Welt. Oder besser gesagt, wir leben zwischen einer analogen und digitalen Welt.

Es gibt Unternehmen die noch den klassischen Weg eines Bewerbungsprozesses per E-Mail oder Bewerbungsportal verfolgen. Sowie Unternehmen, die ihren Bewerbungsprozess schon sehr stark digitalisiert haben bzw. mit klarem Fokus dahin unterwegs sind. Zum Beispiel per App, Xing und LinkedIn oder anderen Technologien, wie oben erwähnt. Sehr viele Unternehmen stehen aber genau zwischen diesen Welten.

Der Markt fordert und bietet alles. Für den Bewerber wird es dadurch nicht einfacher.

Mann sitz am Schreibtisch vor der Schreibmaschinen und versucht ein Anschreiben zu formulieren. Im Vordergrund ein Berg voller Papierknödels
Foto: alphaspirit, 123rf.com

Bewerben ist ein hartes Stück Arbeit

Aus der Sicht der Bewerber/innen verstehe ich die Frage nach dem Sinn und den Wunsch, sich das Bewerbungsanschreiben zu sparen. Das Anschreiben, als ein schwieriger Teil der Bewerbungsunterlagen, hat zweifellos seine Herausforderungen. Neben der Gestaltung soll dieses leere weiße Blattpapier auch noch mit sinnvollen Buchstaben, Wörtern und Sätzen gefüllt werden. Und zwar so, dass es gerne gelesen wird und für die Eignung der Bewerberin oder des Bewerbers spricht.

Wer hat denn behauptet, dass es sich bei einer Bewerbung um eine einfache Tätigkeit handelt? Eine, die eben mal so nebenbei gemacht werden kann?

Bewerben bedarf Vorbereitung, Reflexion, Motivation, Ausdauer und Überzeugung. Ich vergleiche es gerne mit einem Marathonlauf. Eine gute Vorbereitung ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Lauf. Genauso geht berufliche Neuorientierung, wenn sie denn erfolgreich sein soll.

Persönlichkeit und Motivation

Das Anschreiben ist ein Hilfsmittel im Bewerbungsprozess, mit dem sich die/der Bewerber/in potenziellen Arbeitgebern vorstellt. Man erklärt seine Motive und Motivation, schildert seine Kompetenzen und Erfolge und beschreibt seinen Mehrwert für die Position und das Unternehmen.

Zu guter Letzt freut man sich über ein persönliches Kennenlernen. Dank des Bewerbungsanschreibens kann sich das Unternehmen, einen entscheidenden Eindruck über die Motivation und Beweggründe der Bewerberin oder des Bewerbers machen. Ja oder nein, der Drei-Klang von Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnis entscheidet über die Karriere.

 

Um eine Zielscheibe tummeln sich viele Menschen. Nur eine Person von allen ist die richtige Person
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Manche Unternehmen verzichten aufs Anschreiben

Aber warum verzichten Unternehmen auf das Anschreiben? Der Arbeitsmarkt um Auszubildende und Fachkräfte ist ein hart umkämpfter Markt. Der Druck ist groß. Wollen Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich sein, müssen neue Strategie im Werben um Auszubildende und Fachkräfte entwickelt werden.

Daher werden die Hürden gesenkt und der Einstieg in den Bewerbungsprozess erleichtert. Unternehmen erhoffen sich dadurch mehr Bewerber, eine höhere Attraktivität und größere öffentliche Wahrnehmung. Natürlich spielt auch die Verschlankung bzw. Optimierung des internen Bewerbungsprozesses eine Rolle.

Mitarbeiterzufriedenheit und Fluktuation

Es werden verschiedene Branchen angeführt, die bereits auf das Anschreiben verzichten. Insbesondere wird über die IT Branche geschrieben, dass nur noch ein Drittel aller Unternehmen auf ein Anschreiben bestehen. 

Aber sind jetzt diejenigen, die vorher schon nicht in der Lage gewesen sind, Bewerbungsunterlagen richtig anzupassen, dadurch die richtige Mitarbeiterin bzw. der richtige Mitarbeiter? Ob die Vereinfachung der Bewerbung am Ende auch erfolgreich ist, wird sich an der Entwicklung der Mitarbeiterzufriedenheit und -fluktuation zeigen.

Vorschlag. Wie wäre es damit, wenn Unternehmen in Ihren Stellenausschreibungen nicht so oft die »Eierlegende Wollmilchsau« suchen würden? Sich vielmehr auf das konzentrieren, was der Bewerber tatsächlich mitbringen sollte. Damit lassen sich die Motivation der Bewerber/innen und die Qualität der Bewerbungen auch verbessern.

Mein persönliches Fazit

Ich bin davon überzeugt, dass es Branchen und Tätigkeitsbereiche gibt, in denen auf ein Anschreiben verzichtet werden kann und sollte. Das könnten zum Beispiel Arbeitsbereiche sein, die neben einer sehr niedrigen Einstiegsqualifikation auch traditionell eine hohe Fluktuation mit sich bringen. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass die digitale Welt neue Möglichkeiten im Bewerbungsprozess schaffen wird. Welche sich durchsetzen werden, können wir heute noch nicht sagen.

Aber, ich bin noch mehr davon überzeugt, dass das Bewerbungsanschreiben auch in naher Zukunft seine Berechtigung haben wird. Wenn Unternehmen auch weiterhin ein Interesse daran haben, die Motive und Motivation eines zukünftigen Mitarbeiters zu erfahren. Dafür benötigen sie eine Entscheidungsgrundlage im Auswahlverfahren. Und genau diese Basis bietet der Drei-Klang aus Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnis.

Bedenken wir, das nicht alle Unternehmen, allein schon aus ihrer Größe heraus, von der klassischen Variante Abstand nehmen werden und können. Und vergessen wir nicht, bei all den Diskussionen, es geht hier um den MENSCHEN!

Veränderungen und Optimierungen im Bewerbungsprozess, werden kommen. Aber eine gute Vorbereitung ist und bleibt das A und O. Auf beiden Seiten.

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